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Maggie, Interview
in Koeln, April 1998 Claudia Schuberth:. Seit Deinem hoffnungsvollen Beginn als Rocklady bei
Moonrose vor etwa 15 Jahren hat man von Dir außer Maggie: Ich wurde schwanger, und meine damalige Plattenfirma sah unter diesen Voraussetzungen keine Perspektive mehr für unsere Band. Stattdessen pushte sie eine bekannt blonde Duesseldorfer Saengerin, die gerade dort einen Vertrag bekommen hatte. Die hatte anscheinend damals auch unabhaengig von Ihrer Stimme die schlagkraeftigeren Argumente, um die ueberwiegend maennlichen Mitarbeiter der Firma zu motivieren. CS: Von Seiten der Plattenfirma wurde damals aber die Trennung mir angeblichen Drogenexessen begruendet. Maggie: Das stimmte nur zum Teil. Die Band war immer voellig zugeknallt. Und mein erster Mann, er war meist dabei, war heroinabhaengig. Ich selbst war damals aber noch voellig clean und das nicht nur wegen der Schwangerschaft. Das wurde von der Presse ziemlich aufgebauscht und nicht ganz richtig wiedergegeben. CS: Danach bist Du dann aber wohl auch in den Drogensumpf gerutscht? Maggie: (denkt laenger nach) Ja, leider. Ich wurde nach der Geburt meiner
ersten Tochter depressiv, weil ich ploetzlich allein mir ihr und ihrem
drogensuechtigen Vater in einer 2-Zimmer Wohnung hockte, was ich vorher
nicht kannte. Es war unvorstellbar chaotisch. Es ging der ganze Film ab,
so wie das eben mit Drogensuechtigen so ist. Die Band ging natuerlich
dann auch auseinander und die Verantwortung für das Kind hing alleine
auf meinen Schultern. Wenn du dann staendig mit Heroinabhängigen
zu tun hast, kommt es dir irgendwann normal vor. Nach dem hundertsten
"probier doch mal " war's dann CS: Wie hast Du es da wieder raus geschafft ? Maggie: Eine lange Geschichte. (macht eine Pause und ein sorgenvolles
Gesicht) Hier die Kurzfassung: (lacht) Irgendwann CS: Geht sowas denn ? Maggie: Wenn man wirklich will, geht das schon. Aber es dauert natuerlich.
Und war tierisch grausam. Ich Hab mir reichlich CS: Und Dein Mann ?
CS: Natuerlich. Deshalb bin ich ja hier. Nach Deinem Entzug ging es bei Dir ja wohl auch aufwaerts ? Maggie: Erstmal hab ich als Alleinerziehende meine Tochter betreut, bis sie in die Schule kam. Ich hatte ja auch keine Kohle und niemand der auf die Kleine aufpassen konnte. CS: Wie schafft man es denn dann Musik zu machen ? Maggie: Gar nicht. Aber ich hab meiner Tochter immer beim Windelwechseln vorgesungen (lacht laut) Ich bin dann zu Freunden auf den Platz gezogen, dort waren dann auch mehrere Frauen mit Kindern und alles wurde besser. CS: Was für ein Platz ? Maggie: Ein Parkplatz (lacht ). Nein. Im Ernst. Ein ehemaliger Parkplatz.
Ein Wohnwagenplatz in Duesseldorf. Ich habe mir einen Bauwagen und einen
alten Linienbus zu einer Wagenburg zusammengebaut. Meine Tochter Lucille
bekam dann spaeter noch CS: War das im Winter nicht zu kalt ? Maggie: Klar, aber nach einiger Zeit hatten wir einen Vertrag mir der Stadt über die legale Nutzung des Gelaendes, und wir bekamen Wasser und Strom. Nur bei Frost waren die Wasserleitungen dann immer zugefroren ( bibbert und lacht ) Es wohnten dort 30 Leite, Musiker und Harleyfahrer, wir bauten einen Swimming Pool, ein Tonstudio und hatten Huehner und Schweine, Gaerten und Obstbaeume. CS: Ein richtiges, kleines eigenes Dorf mitten in Duesseldorf . Wie lange hast Du denn dort gewohnt ? Maggie: Über 10 Jahre.quasi bis ich vor 4 Jahren nach Koeln kam. Ich hatte ein Engagement für den WDR als Saengerin bekommen und hab dort meinen jetzigen Mann kennengelernt.CS: Der Beginn von Kozmic Blue ? Maggie: So ungefaehr. Mein Mann war Drummer in unserer damaligen Hard-Rock- Combo. Er bekam dann leider einen Hoersturz und konnte seinen Beruf als Schlagzeuger wegen der Lautstaerke nicht mehr ausueben. Im Urlaub schnappte er sich aus Quatsch meine alte Klampfe und spielte "Me and Boby McGee", und ich hab dazu gesungen, in 5 Minuten saßen 20 applaudierende Leute umuns rum und das war dann der Anfang von KOZMIC BLUE. CS: Also ein ideales Duo ? Maggie: Nicht so ganz. Gerhard spielte die Gitarre wie ein Schlagzeug.
Also war ein Bass das naheliegende, ergaenzende CS: Claeusel Quitschau ? Claeusel haben wir als Findelkind vor unserer Stammkneipe Monterey gefunden,- am muetterlichen Zapfhahn großgezogen und anschließend adoptiert. Mittlerweile trinkt er sogar aus der Flasche ( lacht) Wir haben drei Wochen zusammen geprobt und dann unser erstes gemeinsames Konzert im Monterey direkt live aufgenommen. CS: Ist so was nicht gewagt ?l Maggie: wir brauchten ein Demo, um Gigs zu bekommen und im Nachbarhaus war zufällig ein Tonstudio. Wir haben jede Menge Kabel durch den Hinterhof gelegt und dann ging s los. Was aus den Aufnahmen wurde konnten wir damals nicht ahnen. Wahrscheinlich war es einfach nur Glueck, daß wir sie als CD verwenden konnten. CS: Die CD war ja, gemessen an den Umstaenden, von den Verkaufszahlen her mehr als ein Achtungserfolg. Meint Ihr, Ihr koennt weiter alles in Eigenregie machen und mit Diamonds and Glass an diesen Erfolg anknuepfen . Wuerde dich nicht ein großer Plattenvertrag reizen ? Maggie: Weißt Du, ich hab nix gegen Geld. Eine teure Produktion,
wie sie in England und Amerika normal ist, wuerde uns sicher auch nicht
schaden. Unsere klanglichen Moeglichkeiten sind so doch eher begrenzt.
Aber vielleicht liegt gerade in CS: Was hoerst Du sonst für Musik ? Maggie: Alles was gut ist. Der Stil ist egal. Sogar meine große Tochter Lucille (15) hat dann und wann mal was Gutes am laufen. CS: Und Bücher ? Maggie: (lacht) Wenn Du Musik machst, das selber organisierst und dann noch zwei Kinder zu versorgen hast, hast du für so was keine Zeit mehr. Ab ab und zu gehen wir mal essen. Zum Beispiel jetzt (Anm. d. Redaktion: das inzwischen kalte Essen steht vor ihr. CS: Guten Appetit. |