back
INTERVIEW

Maggie, Interview in Koeln, April 1998
Die spaete Karriere einer Powerfrau
Da sitzt Sie nun am Tisch einer Koelner Szenekneipe, hoeflich und sogar etwas schuechtern und entspricht auf den ersten Blick so gar nicht dem Klischee der von ihr verkoerperten Powerfrau.
Doch nach anfaenglicher Zurueckhaltung verlaeßt sie schnell Ihr Schneckenhaus. Maggie lacht viel und spricht offen ueber die Probleme in Ihrer Vergangenheit. Dabei wirkt die fast zierliche Maggie so gar nicht wie die reife 35- jaehrige, sondern eher wie ein Teenager-oder ein Junge. Und sie weiß das. "als Maedchen war ich immer mit meinen Bruedern und deren
Freunden unterwegs, Tussie-Manieren sind mir schon frueher abgegangen." Maggie hat Humor, nimmt sich selber nicht so ernst.-Und nach den Schweren Rueckschlaegen, die sie seit ihrer ersten, fruehen Karriere einstecken mußte, ist sie sichtlich stolz
auf ihr neues Album und Ihre Band. Wer sich "Diamonds and Glass" anhoert, stellt denn auch fest: Maggie hat die ganzen Auf-und Abs ihres ereignisreichen Lebens auf den - musikalischen – Punkt gebracht.

Claudia Schuberth:. Seit Deinem hoffnungsvollen Beginn als Rocklady bei Moonrose vor etwa 15 Jahren hat man von Dir außer
vereinzelten Festivalgigs auf der Loreley und Rock am Ring nicht mehr viel gehört. Was war der Grund?

Maggie: Ich wurde schwanger, und meine damalige Plattenfirma sah unter diesen Voraussetzungen keine Perspektive mehr für unsere Band. Stattdessen pushte sie eine bekannt blonde Duesseldorfer Saengerin, die gerade dort einen Vertrag bekommen hatte. Die hatte anscheinend damals auch unabhaengig von Ihrer Stimme die schlagkraeftigeren Argumente, um die ueberwiegend maennlichen Mitarbeiter der Firma zu motivieren.

CS: Von Seiten der Plattenfirma wurde damals aber die Trennung mir angeblichen Drogenexessen begruendet.

Maggie: Das stimmte nur zum Teil. Die Band war immer voellig zugeknallt. Und mein erster Mann, er war meist dabei, war heroinabhaengig. Ich selbst war damals aber noch voellig clean und das nicht nur wegen der Schwangerschaft. Das wurde von der Presse ziemlich aufgebauscht und nicht ganz richtig wiedergegeben.

CS: Danach bist Du dann aber wohl auch in den Drogensumpf gerutscht?

Maggie: (denkt laenger nach) Ja, leider. Ich wurde nach der Geburt meiner ersten Tochter depressiv, weil ich ploetzlich allein mir ihr und ihrem drogensuechtigen Vater in einer 2-Zimmer Wohnung hockte, was ich vorher nicht kannte. Es war unvorstellbar chaotisch. Es ging der ganze Film ab, so wie das eben mit Drogensuechtigen so ist. Die Band ging natuerlich dann auch auseinander und die Verantwortung für das Kind hing alleine auf meinen Schultern. Wenn du dann staendig mit Heroinabhängigen zu tun hast, kommt es dir irgendwann normal vor. Nach dem hundertsten "probier doch mal " war's dann
soweit und ich hing selber an der Nadel.

CS: Wie hast Du es da wieder raus geschafft ?

Maggie: Eine lange Geschichte. (macht eine Pause und ein sorgenvolles Gesicht) Hier die Kurzfassung: (lacht) Irgendwann
merkte ich,, das ich nicht mehr in der Lage war zu singen. Da wußte ich: Du bist so gut wie tot. Und da hatte ich, auch meiner Tochter zuliebe, nur eine Moeglichkeit: Ich habe mich eingeschlossen und mich selbst entzogen.

CS: Geht sowas denn ?

Maggie: Wenn man wirklich will, geht das schon. Aber es dauert natuerlich. Und war tierisch grausam. Ich Hab mir reichlich
Whiskey und andere Drogen in den Kopf gezogen, um es zu schaffen. Was natuerlich auf Dauer nicht half! Ich habe es dann mit intensiver Meditation und Yoga geschafft.

CS: Und Dein Mann ?


Maggie: (wird sehr ernst) Er wollte nicht aufhoeren und da habe ich mich scheiden lassen. Er ist dann leider ein halbes Jahr spaeter an einer Ueberddosis gestorben. Aber lass uns doch ueber meine neue Band sprechen.

CS: Natuerlich. Deshalb bin ich ja hier. Nach Deinem Entzug ging es bei Dir ja wohl auch aufwaerts ?

Maggie: Erstmal hab ich als Alleinerziehende meine Tochter betreut, bis sie in die Schule kam. Ich hatte ja auch keine Kohle und niemand der auf die Kleine aufpassen konnte.

CS: Wie schafft man es denn dann Musik zu machen ?

Maggie: Gar nicht. Aber ich hab meiner Tochter immer beim Windelwechseln vorgesungen (lacht laut) Ich bin dann zu Freunden auf den Platz gezogen, dort waren dann auch mehrere Frauen mit Kindern und alles wurde besser.

CS: Was für ein Platz ?

Maggie: Ein Parkplatz (lacht ). Nein. Im Ernst. Ein ehemaliger Parkplatz. Ein Wohnwagenplatz in Duesseldorf. Ich habe mir einen Bauwagen und einen alten Linienbus zu einer Wagenburg zusammengebaut. Meine Tochter Lucille bekam dann spaeter noch
einen schoenen alten Zirkuswagen aus Holz dazu.

CS: War das im Winter nicht zu kalt ?

Maggie: Klar, aber nach einiger Zeit hatten wir einen Vertrag mir der Stadt über die legale Nutzung des Gelaendes, und wir bekamen Wasser und Strom. Nur bei Frost waren die Wasserleitungen dann immer zugefroren ( bibbert und lacht ) Es wohnten dort 30 Leite, Musiker und Harleyfahrer, wir bauten einen Swimming Pool, ein Tonstudio und hatten Huehner und Schweine, Gaerten und Obstbaeume.

CS: Ein richtiges, kleines eigenes Dorf mitten in Duesseldorf . Wie lange hast Du denn dort gewohnt ?

Maggie: Über 10 Jahre.quasi bis ich vor 4 Jahren nach Koeln kam. Ich hatte ein Engagement für den WDR als Saengerin bekommen und hab dort meinen jetzigen Mann kennengelernt.CS: Der Beginn von Kozmic Blue ?

Maggie: So ungefaehr. Mein Mann war Drummer in unserer damaligen Hard-Rock- Combo. Er bekam dann leider einen Hoersturz und konnte seinen Beruf als Schlagzeuger wegen der Lautstaerke nicht mehr ausueben. Im Urlaub schnappte er sich aus Quatsch meine alte Klampfe und spielte "Me and Boby McGee", und ich hab dazu gesungen, in 5 Minuten saßen 20 applaudierende Leute umuns rum und das war dann der Anfang von KOZMIC BLUE.

CS: Also ein ideales Duo ?

Maggie: Nicht so ganz. Gerhard spielte die Gitarre wie ein Schlagzeug. Also war ein Bass das naheliegende, ergaenzende
Instrument. Ein Duo ist ein Duo. Erst ein Trio ist `ne Band.

CS: Claeusel Quitschau ?

Claeusel haben wir als Findelkind vor unserer Stammkneipe Monterey gefunden,- am muetterlichen Zapfhahn großgezogen und anschließend adoptiert. Mittlerweile trinkt er sogar aus der Flasche ( lacht) Wir haben drei Wochen zusammen geprobt und dann unser erstes gemeinsames Konzert im Monterey direkt live aufgenommen.

CS: Ist so was nicht gewagt ?l

Maggie: wir brauchten ein Demo, um Gigs zu bekommen und im Nachbarhaus war zufällig ein Tonstudio. Wir haben jede Menge Kabel durch den Hinterhof gelegt und dann ging s los. Was aus den Aufnahmen wurde konnten wir damals nicht ahnen. Wahrscheinlich war es einfach nur Glueck, daß wir sie als CD verwenden konnten.

CS: Die CD war ja, gemessen an den Umstaenden, von den Verkaufszahlen her mehr als ein Achtungserfolg. Meint Ihr, Ihr koennt weiter alles in Eigenregie machen und mit Diamonds and Glass an diesen Erfolg anknuepfen . Wuerde dich nicht ein großer Plattenvertrag reizen ?

Maggie: Weißt Du, ich hab nix gegen Geld. Eine teure Produktion, wie sie in England und Amerika normal ist, wuerde uns sicher auch nicht schaden. Unsere klanglichen Moeglichkeiten sind so doch eher begrenzt. Aber vielleicht liegt gerade in
der ungeschminkten ehrlichen Qualität unserer CD`S der Reiz. Die Leute sind ja nicht doof. Und viel Geld muß auch sonst nicht unbedingt sein. Leben koennen wir von unserer Musik allemal, ich bin doch kein Otto. Finanziell hab ich schon schlimme Zeiten erlebt. (denkt nach) Bis jetzt haben wir nur Angebote, die unsere Musik zu sehr beeinflussen wuerden. Da backen wir doch lieber unsere eigenen Broetchen, auch wenn das mir viel Arbeit verbunden ist.

CS: Was hoerst Du sonst für Musik ?

Maggie: Alles was gut ist. Der Stil ist egal. Sogar meine große Tochter Lucille (15) hat dann und wann mal was Gutes am laufen.

CS: Und Bücher ?

Maggie: (lacht) Wenn Du Musik machst, das selber organisierst und dann noch zwei Kinder zu versorgen hast, hast du für so was keine Zeit mehr. Ab ab und zu gehen wir mal essen. Zum Beispiel jetzt (Anm. d. Redaktion: das inzwischen kalte Essen steht vor ihr.

CS: Guten Appetit.